Das Künstlerkuratorium Newscenario mit ihrer ersten Gruppenausstellung C R A S H – erster Versuch einer (V)erklärung

Kunst wandelt durch weite Straßen. Verdeckt, hinter verspiegeltem Glas, in einem rastlos, leisen amerikanischem Superlativ mit unbestimmtem Ziel. Die Online zu sehende Gruppenausstellung C R A S H des neu gegründeten Künstlerkuratoriums Newscenario um Paul Barsch, Tilman Hornig und Burkhard Beschow schafft eine neue, zeitlich begrenzte Plattform außerhalb der Whitecubes und deren üblichen Repräsenationsformen.

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Neu dabei ist, dass die Art der Darstellung der Kunst dynamisch erscheint. Jede Veranstaltung findet somit einen neuen Platz: die ausgestellten Werke werden jeweils in einem anderen Kontext zu betrachten sein – raus also aus den traditionsbehafteten Galerien, den oftmals angestaubten Off-Spaces. Das Debüt des Konsortiums findet mit 11 Positionen in einer Hummer Stretch-Limousine auf www.newscenario.net statt. Obgleich die Werke zuvor aufgenommen wurden und die Blickwinkel durch die Abbildungen festgelegt sind, rockt die Show in ungewöhnlicher Intensität. Das liegt zum einen an den Künstlern selbst.

Gezeigt werden allesamt Werke die der sogenannten New Aesthetic (Post-Inernetart) zuzurechnen sind. Kunst also, die den digitalen Raum teilweise hinter sich lässt, indem sie als physische Form wieder greifbar wird und umgekehrt. Zum anderen ist es der Charme einer dystopen Ästhetik, einer fast schon greifbar nahen sowie bereits eingetreten Zukunft. Einer Echtzeit-Zukunft, die durch postdemokratische-, multipolare Verhältnisse, in Nanosekunden berechenbaren Cyberkapitalismus, durch internationale Krisen, Terror, Counter-Attacks und steter Beobachtung geprägt ist. In dem Kinofilm „Cosmopolis“, der als Plot für die Ausstellung von C R A S H dient, wird genau diese Problematik verhandelt. Von der Außenwelt durch Panzerglas und eigenem Geheimdienst abgeschottet, wird ein junger Milliardär, der die Fäden seiner Macht buchstäblich mittels digitaler Interfaces in der Hand hält, zum Friseur gefahren. In einer Schlüsselszene werden in einer soziophilosphischen Analyse die Folgen der sich überschlagenden Gegenwart erklärt, in der Zeit mit Firmenkapital gleichgesetzt und eine erzwungene Zerstörung der Verhältnisse entweder zu Anarchie oder einen neuen Kapitalismus hervorbringt. Die Zerstörung der Vergangenheit  ist jedoch eine Notwendigkeit, um eine neue Zukunft erschaffen zu können. Somit wird die Macht des Kapitals als gott-gleiches Instrumentarium zur Gestaltung einer nicht genau definierbaren, von Marx‘ Theorien abgekoppelten, apokalyptischen Wirklichkeit. Nicht umsonst gibt seit geraumer Zeit eine Kontroverse darüber, unter bestimmten Parametern ein neues Erdzeitalter, das Anthropozän, ein durch die Menschheit über der Natur stehendes Zeitalter, auszurufen.

In einer Umgebung, in der Kunst eigentlich als Luxusgüter und Spekulationsobjekte angesehen werden, und Limousinen aller Art einen Teil dieser Welt darstellen, zeigen nun junge und bereits etablierte Künstler ihre Sicht der Dinge. Es wird deutlich, dass unter derzeitigen gesellschaftlichen Umständen, der in alle Lebensbereiche vordringenden digitalen Globalisierung und Echtzeitkonfigurationen, Künstler und Kollektive, wie Newscenario anders durch ihre Werke in Erscheinung treten wollen als bisher. Bezeichnend ist daher auch der Titel der Ausstellung. C R A S H steht insofern auch für das vermeintlich gegen die Wand gefahrene Gesellschaftsmodel des Kapitalismus unter dem Eindruck derzeitiger Krisen, während sich auf der anderen Seite immer komplexer werdende multinationale und neoliberale Partnerschaften neu formieren, ohne jedoch vordergründig eine politische Attitüte einehmen zu wollen.

Das alles und noch viel mehr auf www.newscenario.net. Seid gespannt!

Stephan Franck M. A. 2014

Artworks inside a HUMMER stretch limo.

Participating Artists:

Paul Barsch
Burkhard Beschow
Adam Cruces
Zack Davis
Anne Fellner
Tilman Hornig
Aoto Oouchi
Thomas Payne
Clemence de La Tour du Pin
Camilla Steinum
Ronny Szillo

With written contributions by
Joseph Hernandez and d3signbur3au

Concept and curation:
Paul Barsch, Burkhard Beschow, Tilman Hornig

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